Auszug aus dem Wetterbericht von Heute:
Kattegat:
Süd 4, südostdrehend, langsam zunehmend 6 bis 7, später Gewitterböen, See zunehmend 2 Meter.
Wir möchten gern nach Læsö oder Anholt. Die Windvorhersagen sind für Heute und auch für die nächsten fünf Tage dafür leider nicht optimal. Uns würde ein Kurs hoch am Wind mit wahrscheinlich noch einer ordentlichen Welle durch den Sturm von gestern erwarten. Auch die Küste weiter runter zu fahren macht bei den Wetterprognosen für die nächsten Tage keinen Sinn, da der Wind drehen soll.
Hmm, was machen wir mit der Vorhersage? Ohne Finn wären wir sicher losgefahren. Aber mit Baby bei Schräglage und Wellen 5 Stunden segeln zu gehen kann spaßig sein, kann aber auch anstrengend werden (Stillen, Windeln, Beschäftigung in den Wachphasen…).
Wir warten erstmal etwas ab und gucken wie sich das Wetter entwickelt.
Finn schläft heute aus. Um 9h meldet er sich erst. *unglaublich* Haben wir jetzt einen Langschläfer aus ihm gemacht?
Als er aufwacht begrüßen wir ihn im Tag. Lars wickelt ihn, ich sorge für das leibliche Wohl, danach wird ausgiebig gespielt *so ein Baby-Leben ist schon großartig*

Dabei bleibt genug Zeit für uns Eltern um nachzudenken…
Wollen wir wirklich hier auf Donsö einwehen? Ok, Morgen könnten wir mit der Speedfähre nach Göteborg fahren. Aber wir sind doch gar keine Stadtmenschen und Shoppen empfinden wir auch eher als eine Notwendigkeit und nicht als ein Vergnügen. Bleibt die Möglichkeit etwas zu besichtigen… Mit Baby kann das Spaß machen, muss es aber nicht ;o)
Lars und ich reden in dieser Phase wenig miteinander. Jeder kennt die Gedanken des Anderen, die Vor- und Nachteile werden innerlich abgewogen.
Irgendwann gucke ich Lars an und sage: „Los!“
Er antwortet: „Ich denke das Gleiche, traue es uns und dem Schiff zu, aber am wichtigsten ist es, dass es Finn gut geht.“
Wir einigen uns darauf, dass wir es probieren. Wir gucken mal um die Ecke, stecken die Nase aus der geschützten Umgebung der Schäre und sehen dann weiter.
Finn ist doch ein Pampersmatrose, der in eine Seglerfamilie geboren ist. Außerdem haben wir schon vieles getestet, er liebt Wind und Welle und wir geben gut auf ihn acht.
Direkt nach dem Entschluss geht es schnell. Lars macht das Schiff klar, ich stille Finn erneut, ziehe ihm eine neue Windel und einen wärmeren Strampler an und bette ihn in seiner Babywanne.
Um 10:30h laufen wir aus.
Die Atlantis verabschiedet uns. Wir sehen uns spätestens auf der Hochzeit von Tim und Anna im September wieder und hoffentlich nicht auch noch einmal heute, weil wir doch wieder umdrehen. ;o)

Draußen ist es gar nicht so wild wie erwartet. Aktuell haben wir vier Windstärken, der Himmel ist blau.
Es steht eine Welle, aber wir finden mit dem Groß und dem Motor einen Modus in dem Perfect gut durch die Wellen rutscht.

Finn schläft tief und fest in seiner Babywanne und bekommt durch die Aufhängung nur ein leichtes Wiegen von den Wellen mit.

Über UKW funkt uns die Fifty-Fifty an. Sie und die Lumme sind ebenfalls auf dem Weg nach Læsö. Wir verabreden uns zu jeder vollen Stunde einmal kurz eine Meldung auf UKW Kanal 6 zu machen.
Irgendwie schön zu wissen, das da noch ein paar Segelverrückte draußen sind ;o)
Lars hält Ausschau nach den Beiden:

Lynby-Radio gibt über UKW eine „Gale-Warning“ heraus. Der Sturm mit bis zu 8 Windstärken soll in unserem Seegebiet am Abend ab ca. 21h durchziehen. Zu der Zeit wollen wir schon gemütlich unter unserer Kuchenbude auf Læsö sitzen und Pläne für unserem morgigen Hafentag machen. *zwinker*
Als wir auf Höhe der Fifty-Fifty sind und der Kurs nach Læsö mit einem 60 Grad Windeinfall segelbar wird ziehen wir ein Reff ins Groß und rollen die Genua aus.
Wir haben 18 kn Wind und blauen Himmel, dh gutes Segelwetter.
Leider kommt uns unser Vorsegel direkt nach dem Setzen entgegen. Es rutscht am Vorstag runter, aus irgendeinem Grund hat sich der Schäkel geöffnet. Fall und Wirbel von der Rollanlage sind oben im Mast. Als einzige Möglichkeit bleibt uns das Segel zu bergen.
Als wir das Segel im Cockpit haben, entfernen wir die Segellatten und „stauen“ das Segel provisorisch im Salon. Besser lässt sich das Ganze bei den aktuellen Bedingungen nicht lösen.

Finn und ich werden beim Stillen schon einen Weg am Segel vorbei finden. ;o)
Aktuell schläft er allerdings immer noch tief und fest – schon seit 3 Stunden.
Wir fahren bis Læsö mit gesetztem Groß und Motorunterstützung.
Schade, es wäre so ein toller Segeltag gewesen.
Die Fifty-Fifty segelt direkt bei uns und zeigt uns wie man es genießen kann, wenn man ein Vorsegel hätte.

Um 15h erreichen wir Læsö. Der Hafen ist erstaunlich leer.
Wir bekommen mit allen drei Schiffen gute Plätze längsseits.

Nach einem ersten Einlaufbier klaren wir auf.

Lars klettert in den Mast und löst unser Problem an der Genua.
Hans unterstützt beim Runterlassen.

Ein aufregender Tag: Jetzt wird schön gegrillt mit den anderen beiden Crews.
PS: Ein Teil der Fahrt verbringt Finn bei uns an Deck:

PS2: Spiel-Spaß mit Finn von gestern Abend:

Unser aktueller Standort auf einer Karte, hier klicken
Starthafen: Donsö/ Startzeit: 10:30 Uhr
Zielhafen: Læsö/ Ankunftszeit 15:00 Uhr
Tagesmeilen: 34,28 sm / Gesamtmeilen 988,76 sm
Durchschnittsgewindigkeit: 7,62 kn / Speedmax: 8,25 kn
tatsächlicher Wind: 14-25 kn
Hafengeld: 200,- DK/Tag